Donnerstag, 23. März 2006

Bissl Kunst (6)

Wer hat Farscape geschaut? Keiner. Schämen und Nachholen, war ne coole Serie mit extrem abgefahrenen Charakteren. Das da links ist einer davon, die etwas.... seltsame... Nebari Chiana.

Anlässlich des FedCon-Besuches der Darstellerin Gigi Edgley hat sie Vorrang vor etwaigen anderen Abzeichne-Potentials :).

Donnerstag, 2. März 2006

Bissl Kunst (5)

So. Das gefällt mir doch schon um ein Vielfaches besser als das alte. Und auch gar nicht viel vermalt dieses Mal. Besonders gefällt mir die Nase, die hab ich echt gut hingekriegt.

Bleibt nur zu hoffen, daß es die Gezeichnete auch zu schätzen weiss, wenn sie's signiert ;).

Dienstag, 28. Februar 2006

Zeichnen lernen mit Batch a.k.a. Bissl Kunst (4)


Und ich meine wirklich mit Batch, also nicht mit mir als Lehrer, sondern mit mir als Lernender :). Wobei ich sicherlich gegen alle Richtlinien der Kunst-Lehre verstossen habe, hab nirgendwo ein Lehrbuch oder sowas rumliegen, sondern das so gemacht, wie ich das für richtig halte. Achja, Vorwarnung, man weiß ja nie, was für Leute hier so mitlesen: NACKTE HAUT! KOMPLETT! NUDITY ALARM! DIE HAT NULLKOMMANIX AN! (Okay, diese komische Kette, aber die zählt nicht). So, damit dürften ein paar Google-Hits mehr drin sein ;).

Wie angedroht hab ich mich dann doch erstmal für einen Akt entschieden, herhalten durfte dafür eins der hübscheren Mädels einer größeren Erotik-Modell-irgendwas-Seite, die letztens erwähnte und verlinkte Monika, die ich trotz Pädophilie-Anschuldigungen der weiblichen WG-Besatzung verdammt hübsch finde. Ja, da steh ich dazu. Die darf gerne mal persönlich... ööhm... hier das Motiv.

Links seht ihr - bzw. seht ihr nicht, weil man auf der Grösse absolut nix erkennt, also tut Euch den Gefallen und klickt drauf - die Grobskizze des Körpers. So kompliziert ist die Pose ja nicht, insofern hab ich die Gliederpuppe (die übrigens noch einen Namen braucht - Vorschläge?) eigentlich nur für die "Drahtgitter-Linien" (die mit den Punkten) benutzt. Dieser erste Schritt ist der wichtigste und schwerste, hab da auch ewig gebraucht, die Proportionen vernünftig hinzukriegen. Hilfreich ist dabei das Einzeichnen von "Innereien" wie etwa dem Brustkorb, hilft ungemein bei den Konturen und der Orientierung.

Rechts hab ich mich dem Gesicht näher gewidmet. Im vorigen Schritt hatte die Gute ja noch nen üblen Michael-Turner-Effekt, große Augen, große Lippen, das hab ich versucht, etwas abzumildern. Auf A4 gestaltet sich das allerdings etwas schwierig, so viel Platz ist da nicht...

Außerdem ist der Radiergummi nicht immer Dein bester Kumpel, der Herr hat stellenweise übel verschmiert, im Gesicht recht unangenehm. Deswegen hab ich mich dann auch zurückgehalten mit Korrekturen, mit dem Resultat, daß sie vom Gesicht her nicht mehr viel Ähnlichkeit mit der Vorlage hatte. Augen sind viel zu groß. Andererseits lag mein Hauptaugenmerk dieses Mal eh mehr auf, naja, unterhalb des Halses. Mona kriegt demnächst mal ein Portrait zur Versöhnung nachgeschoben, bissl leid tut mir das unpassende Gesicht ja schon... :(

Nächster Schritt: Hauptsächlich Haare. Easy, bei schwarzem Haar ist eh nur wenig zu tun. Hab die Nase noch etwas korrigiert und dieses Kettenkonstrukt, das sie da um den Hals (den man übrigens gar nicht sieht, so lob ich mir das, wen interessen schon Hälse..) gewickelt bekommen hat, hinzugefügt. Die lustigen Kreuzchen im Haar deuten übrigens an, daß die Fläche komplett eingeschwärtzt wird beim tuschen. So muss ich mir nicht den Bleistift wund malen vorher.

Im nächsten Schritt wird es ungemein interessanter, wir bearbeiten den Oberkörper (No pun intended... nagut eigentlich doch ;) ). Verdammt knifflige Angelegenheit, bei den Brüsten muss man echt behutsam sein (and again, no pun.... ach, glaubt mir ja eh keiner). Nein ernsthaft, bei Kreisen und Rundungen im allgemeinen hab ich Probleme, da ich irgendwie nur konkave Bögen hinkriege und somit nur am Drehen des Bildes bin um eine gute Zeichenposition zu erhalten. Und gerade beim weiblichen Körper sind geschwungene Linien und Rundungen doch ein erhebliches Stück wichtiger. Bin aber recht zufrieden mit der Oberweite, nur die Brustwarzen sind immer noch ein Mü zu klein, finde ich, obwohl ich die bestimmt 3mal korrigiert hab.

Nicht minder interessant und durchaus anspruchsvoll gestalteten sich Bauch und Unterleib. Auf dem Original-Foto sieht man davon nicht viel, aber als alteingesessener Swimsuit- Special- Konsument weiß ich, wie wichtig die angedeuteten Rippen- und Muskel-linien sind. Ich hoffe, man erkennt an der Linie von der Hüfte zum Schritt am rechten Bein, daß dieses ein Stück nach vorn gesetzt ist. Ich hab ihr auch den feschen Irokesen gelassen. Wenn ich sagen müsste, was mir am Bild am besten gelungen ist, dann würde ich den Bauch nennen. Was so ein paar geschwungene Linien ausmachen, ist echt der Hammer.

Die Arme waren nicht sonderlich schwierig, wobei mir da immer etwas Linien jenseits der Kontur fehlen. Muss wohl doch auch mal nen muskelbepackten Mann zeichnen, damit ich mich da mal austoben kann. Bei Monika ist jedenfalls nur in der Armbeuge ein Strichlein. Mit den Schultern muss man allerdings höllisch aufpassen, da hab ich radiert wie ein Weltmeister.

Und dann sind wir auch fast fertig mit den pencils. Die Hände gingen erstaunlich flott von der Hand (hohoho), wobei ich ja eh nur ihre rechte detaillierter gezeichnet hab, wohlwissend, dass die linke Seite eh nahezu komplett im Schatten liegt. Ich hab etwas mit mir gerungen, ob ich die Schatten direkt mit Schraffuren reinpacke oder doch erst später in der Koloration einbaue. Wie man sieht, hab ich mich getraut. Müsste mich zwar noch etwas über Schraffur-techniken im Allgemeinen informieren, aber das schaut schon ganz okay aus so, find ich.

Ink-Explosion! Endlich das Gewurschtel in den Haaren vernüftig weg. Schwarze Flächen mag ich sehr, hab ich direkt den Pinsel genommen. Viel zu erklären gibts eigentlich nicht, hab halt die Konturen etwas verstärkt und hier und da ein paar Akzente gesetzt. Da fürs Gesicht eh zu spät war, hab ich da auch noch ein paar Wimpern rangeklatscht, damit auch wirklich überhaupt keine Ähnlichkeit mehr besteht ;). Am Arm hab ich mal die Tusche-Schraffur angetestet. Hatte echt Schiss, dass eine Schraffur mit Tusche das ganze Bild versauen könnte, deswegen auch der Scan, damit ich nachher wenigstens noch was unversautes - oder besser "ansprechenderes", um blöden Gags vorzubeugen - in digitaler Form hab.

Obwohl ich nicht 100% zufrieden mit der Schraffur bin, hat sich das Wagnis trotzdem gelohnt, denk ich. Siehe rechts. Hab noch ordentlich meine geliebten schwarzen Flächen hinkleckern können, und natürlich die extrem wichtige Signatur. Achja, Tip: Beim Einscannen getuschter Bilder darauf achten, dass das Bild auch TROCKEN ist. Fast hätt's geklappt, habe aber noch rechtzeitig dran gedacht. Apropos Tusche. Beim Transport immer extra Einpacken! Ich war echt vorsichtig, trotzdem ist das Scheiss-Fass wieder ausgelaufen. Nix Schlimmes, aber trotzdem nervig.

Et voilá, die kolorierte Variante. Im Vergleich zu den vorherigen Schritten ein Witz, ebenso im Vergleich zum letzten Bild von Clare Kramer. Bei ner nackten Frau ist die Farbpalette eben nicht ganz so groß, hatte ja mehr oder weniger nur vier Abstufungen der Haut zu verwalten. Bei kleineren Flächen wie der Bauchmuskulatur wäre allerdings ein Grafiktablett hilfreich, mit der Maus geht das alles nicht so toll. Und dabei ist es nichtmal das uralte Teil am Berliner Rechner...

Sodele, das war's auch schon. Für alle, die bis hierher durchgehalten haben, gibts auch extra nochmal eine gif-Animation aller Schritte und eine größere Variante des Endproduktes :).




Freitag, 24. Februar 2006

Bissl Kunst (3)

Bissl Kunst (3)
Okay, meine Überschriften waren schonmal kreativer. Langsam wird ne Gallerie fällig. Und ich finde, ich mach mich langsam echt gut, Clare rechts ist mir so richtig klasse gelungen, zumal sie mein erstes Werk ist, das über ein Portait hinausgeht. Besten Dank an Witchblade #93 an dieser Stelle, das über mehrere Seiten hinweg eine Sara Pezzini im Bikini zeigte und somit wunderbar als Referenz herhalten konnte.

Außerdem hab ich meine tolle Gliederpuppe (danke an Falk und Susel) zur Hilfe genommen, um erstmal ohne das Foto die Proportionen und die Position hinzukriegen. Ging noch nicht ganz so toll, hab letztendlich für die Grobaufteilung doch mehr die Vorlage als die Puppe verwendet, aber ich übe weiter.

Nicole DeBoer links ist mir nicht ganz so dolle gelungen, man erkennt sie irgendwie nicht. Damn. Vielleicht mach ich da mal ein neues. Gibt nur sowenig gute Fotos von ihr im Netz... und zweimal dasselbe Motiv mag ich nicht nehmen.

Als nächstes knöpf ich mir entweder Teryl Rothery oder Claudia Christian vor, vllt. aber auch Monika. Ist anatomisch reizvoller. Rein künstlerischer Aspekt, versteht sich. ;).

Sonntag, 22. Januar 2006

Bissl Kunst (2)

Um auch den letzten noch nicht von mir persönlich ausprobierten Arbeitsschritt im Comic-Bereich anzutesten, hab ich mal bissl mit mit der Kolorierung rumprobiert. Ergebnis ist eine farbige Michelle rechts :) Bin wieder mal schwer begeistert von mir (okay, und von der Software), das sieht ja richtig gut aus und hat gar nicht so wahnsinnig viel Arbeit gemacht.

Mal gucken, was ich da noch so hinkriege, mit den Haaren bin ich noch nicht so ganz zufrieden...

Samstag, 24. Dezember 2005

Spotlight: Supreme Power


Joseph Michael Straczynski. Ja, den Namen wollte ich nur mal fix am Anfang hinschreiben, damit hier auch brav weitergelesen wird, denn wir beginnen eigentlich ganz woanders: Bei den Helden des DC-Universums, deren mächtigste sich unter dem Namen Justice League of America - kurz JLA - zusammengeschlossen haben, um die übelsten Bedrohungen zu bekämpfen. Marvels Pendant waren die ruhmreichen Rächer, die Avengers. Trotzdem kam irgendjemand im Haus der Ideen mal auf die Idee, eine augenzwinkernde Kopie der JLA zu basteln: Die Squadron Supreme. Hyperion (ein Superman-Verschnitt), Nighthawk (Batman), Whizzer (Flash), Doctor Spectrum (Green Lantern), Power Princess (Wonder Woman) und andere Kopien durften ihre Abenteuer - abgesehen von ein paar Intermezzi mit den Avengers - jedoch in einer Art Parallel-Universum erleben, was sich der 1997 verstorbene Marvel-Editor und Autor Mark Gruenwald 1985 zunutze machte, um eine 12-teilige Mini-(oder wohl eher Maxi-)Serie zu schreiben, die heutzutage als eine der Vorreiter zu Alan Moores "Watchmen" zählt, eines DER Werke, die das (Superhelden-)Genre revolutionierten.

In der 12-teiligen Squadron Supreme Serie beschliessen die namensgebenden Helden (die übrigens die einzigen Superhelden ihrer Welt sind), ihre Welt zu verbessern, indem sie sie übernehmen und zu einem Utopia umformen. Was gut gemeint war, geht natürlich gründlich in die Hose, die Squadron trennt sich, ein paar sterben... Am Beispiel der Squadron sieht man, wie sich die beiden Verlagshäuser DC und Marvel gegenseitig "befruchten": DC begann nach dem Erfolg der Squadron, seine eigenen JLA-Mitglieder zu verändern, so wich die Friede-Freude-Eierkuchen-Freundschaft zwischen Batman und Superman dem heutigen Disput der beiden als gegensätzliche Extreme des Heldentums, wie er (u. a.) in der aktuellen Serie Superman & Batman portraitiert wird.

Warum erzähle ich das alles, und was zum Teufel hat das mit J.M. Straczynski zu tun, wird sich der ein oder andere fragen. Ganz einfach: Der Autor zeigt sich für einen aktuell äußerst erfolgreichen Reboot der Squadron unter dem Namen Supreme Power verantwortlich. Dabei geht JMS noch ein paar Schritte weiter und setzt seine Squadron in eine Welt, die sich von der unsrigen nur in einem einzigen Detail unterscheidet: Vor 20 Jahren stürzte ein UFO vom Himmel, das ein Baby mit außergwöhnlichen Kräften ethielt. Und so zeigen die ersten sechs Hefte (zusammengafsst im ersten TradePaperback "Contact"), wie das Kind von der Regierung aufgezogen wird, um unter den verschiedenen Regierungen der letzten Jahre entweder zur Geheimwaffe im ersten Irak-Krieg oder später als Mark "Hyperion" Milton zum Vorzeige-Helden der Vereinigten Staaten von Amerika zu werden. Fast nur am Rande lernt der Leser wenige andere "besondere" Menschen kennen, etwa einen schwerreichen Afro-Amerikaner, dessen Eltern vor seinen Augen von einem weissen Rassisten ermordet wurden, und der nun in einem High-Tech-Anzug als Nighthawk durch die Nacht zieht, um Verbrecher zu jagen, die es auf schwarzhäutige Opfer abgesehen haben (und dabei ergo selbst Rassist ist). Oder einen willensstarken Soldaten, der die Energiequelle des UFOs - in Form eines schimmerndes Kristalls - beherrschen soll und dabei nach jahrelangem Koma ungeahnte Kräfte erhält. Da ist das Baby, das in der Nacht des Absturzes geboren wird und von der entsetzen Mutter ins Wasser geworfen wird, da es offenbar mehr Amphibie als Mensch ist; und der junge Mann, der in 15 Minuten drei Bundesstaaten zu Fuß durchqueren kann. Zu verraten, was in den nächsten 12 Heften vor sich geht, würde die Spannung verderben.


Bemerkenswerterweise existiert die Squadron selbst auch nach 18 Heften (bzw. 3 TPBs) nur im Ansatz. Straczynski nimmt sich extrem viel Zeit, seine Charaktere einzuführen und es dauert bis zu Heft 13, daß sie überhaupt eine Art gemeinsame Heldentat vollbringen. Das Hauptaugenmerk liegt auf Hyperion und den Leuten der amerikanischen Regierung und des Militärs, die ihn manipulieren (wollen), was mit einem Realismus einhergeht, der im Superhelden-Genre seinesgleichen sucht. JMS arbeitet erneut mit Gary Frank zusammen, der schon sein "Midnight Nation" zeichnete. Da die ersten 18 Hefte unter Marvels Erwachsenen-Label MAX erschienen, konnten sich beide auch ordentlich austoben: JMS schreckt nicht davor zurück, reale Präsienten zu nicht unbedingt in einem positiven Licht erscheinenden Akteuren zu machen und in "Projekt Hyperion" einzubeziehen, Power Princess (die hier Zarda heisst) darf seitenlang - frontal nudity alarm ! - nackt umherflanieren, und ein brutaler Serienkiller ein furchtbares Gemetzel in einem Kaufhaus veranstalten.

Supreme Power ist keine leichte Kost, JMS schreibt wieder sehr ausufernd und viel, ich würde den Textgehalt und die damit verbundene Lesedauer eines Heftes locker auf das doppelte eines "normalen" Comics ansetzen wollen (also das vierfache eines durchschnittlichen Top Cow -Heftes) - was ich natürlich immer eher als Pluspunkt deute, zumal es kein leeres Claremont Gewäsch (Caption: "Sabretooth holt zu einem rechten Haken aus, um Wolverine zu fällen." Sabretooth: "Sieh, Wolverine, ich schlage jetzt mit rechts zu! Du wirst fallen! Fort mit Schaden! " *mit rechts zuschlag, aber daneben hau* Caption: "Doch Wolverine weicht aus!" Wolverine: "Haha, Dein rechter Haken nutze Dir nichts, du fiese Möpp, ich wich aus!" Sabretooth: "Verdammt, er ist ausgewichen!" [..] ) ist, sondern da auch wirklich einiges an Handlung und Charakterisierung dahintersteht.

Die Serie wurde mit der Nummer 18 beendet und soll im Frühjahr mit einer neuen Nummer eins fortgesetzt werden - allerdings unter dem Marvel Knights Label, bei dem sich zumindest Frank wohl etwas mehr zurückhalten muss (schade). Mittlerweile existieren auch drei sechsteilige Miniserien zu Doc Spectrum, Nighthawk und Hyperion, die ich allerdings noch nicht gelesen habe. Nicht alle wurden von JMS geschrieben, allerdings hat er die Autoren höchstpersönlich ausgewählt.

Wer dem Medium Comic nicht komplett abweisend gegenübersteht, aber bisher mit "Superhelden-Kram" nichts anzufangen wusste, sollte einen Blick oder auch zwei riskieren - selten waren Superhelden so real wie in Supreme Power. Und für den alteingesessenen Fan isses aufgrund der "anderen" Sicht auf Superhelden eh ein modernes Meisterwerk, das allerdings doch ab und an etwas an JMS' Epos "Rising Stars" erinnert.

Supreme Power Vol 1: Contact
Supreme Power Vol 2: Powers & Principalities
Supreme Power Vol 3: High Command

oder auf deutsch

MAX 3: Supreme Power 1
MAX 5: Supreme Power 2
MAX 8: Supreme Power 3

Montag, 12. Dezember 2005

Betriebshalt

Bahnfahren ist nicht immer spannend, eigentlich eher stinkelangweilig, vor allem früh am Morgen, wenn das ganze Abteil (okay, eigentlich nur die schläfrige Mitfahrerin) am Pennen ist. Aber mit ein bisschen (blühender) Phantasie...

Seit gestern, glaub ich, gibt's neue Fahrpläne bei der DB, was für mich bedeudet, daß ich eine ganze - jaha, eine GANZE!!! - Minute länger schlafen kann, da der Zug nach Berlin erst um 6:21 am vor aufgeregtem Leben pulsierenden Chemnitzer Bahnhof abfährt. Doch das ist nicht die einzige Neuerung, denn es gibt etwas spannendes neues in der Deutschen Bahn zu erleben, den... *trommelwirbel* BETRIEBSHALT. (Ja, den mag's vorher auch schon gegeben haben, aber ich hab zum ersten Mal einen bewusst erlebt). Aber der Reihe nach.

Die erste Stunde der Fahrt verlief gewohnt belanglos. Das Fräulein Mitbewohnerin wollte bis zum Einschlafen unterhalten werden, Fahrkartenkontrolle, langweilig draussen - das übliche halt. Es ging also alles harmlos los, in einer Alltagssituation... als urplötzlich der Zug stoppte. Okay, nix neues bis hierher, zumindest für den geübten Bahnfahrer. Schreckhafte Mütterchen, die ob des unplanmässigen Haltes (nein, es war kein Bahnhof in Sicht) in schiere Panik verfallen, seien mal außen vorgelassen. Doch etwas war.... anders... dieses Mal. Man spürte dieses Kribbeln in der Luft, dieser Halt musste etwas GANZ besonderes sein. Und so wartete ich angespannt darauf, dass etwas passierte. Nach minutenlangen bangen Wartens dann... die Erlösung, die Aufklärung, die Erleuchtung in Form einer Durchsage: "Meine Damen und Herren, der FAHRPLANMÄSSIGE BETRIEBSHALT in Herzburg wurde vorgezogen nach Falkenburg. Die Fahrt wird in wenigen Minuten weitergehen, dafür werden wir in Herzburg NICHT halten müssen. Bleiben Sie ruhig." (Okay, den letzten Satz hab ich jetzt dazu erfunden ;o) )

Meine Güte, ein FAHRPLANMÄSSIGER BETRIEBSHALT! VORGEZOGEN! Ich war in heller Aufregung. Was mochte wohl ein Betriebshalt sein? Weit und breit war kein Betrieb zu sehen, soviel stand fest. Betrieben wurde auch nichts, sonst wären wir ja gefahren. Und wieso konnte der so einfach vorgezogen werden? Meine Welt lag in Trümmern. Kurz darauf rauschte ein Zug auf dem Nebengleis vorbei um mich vollends zu verwirren. Wenn der sagenumwobende Betriebshalt fahrplanmässigerweise in Herzburg war, was war dann mit diesem Zug, den wir dann wohl erst dort hätten passieren lassen müssen? Kam er aus der Zukunft, wir aus der Vergangenheit, ist der ominöse "Betreiber" oder "Betrieb" eine kosmische Instanz zur Verhinderung paradoxer Zeitschleifen, wegen der wir halten mussten? Der Zugschaffner wollte es nicht verraten. Angespannt wartete ich die weitere Fahrt ab, bereit, einer unendlichen Krise ungeahnten Ausmasses beim Passieren von Herzburg gegenüberzutreten. Während ich mir ausmalte, wie wir uns selbst während eines erneuten Betriebshaltes in einem heranrauschenden Zug im Fenster erspähen würden und das Universum wegen dem vorgezogenen Halt in sich kollabieren würde, passierten wir Herzburg ohne Halt. Puhh.

Doch die kosmische Krise ging nicht ganz ohne Auswirkungen an uns vorüber, vor allem nicht am Schaffner. Als wir mit ca 20 Minuten Verspätung - ihr seht, die Zeit selbst war schon aus den Fugen geraten - einige Kilometer vor Berlin Ostbahnhof waren, packte den Schaffner die Euphorie: Obwohl er wenige Minuten vorher mit größtem Bedauern mitteilte, daß der Anschlusszug nach Hamburg in Berlin nicht warten könne, ließ er folgendes verlautbaren: "Meine Damen und Herren, ich habe eine erfreuliche Nachricht für sie: Der Zug nach Hamburg konnte doch warten...". Doch die Entität des Betriebshaltes schlug erbarmungslos zurück und mitten im Satz schwenkte der dem Wahnsinn anheim fallende Schaffner enttäuscht um: "... nein, ich bekomme gerade eine Nachricht - doch nicht. Der Zug konnte doch nicht warten." Wenn schon hartgesottene Untertanen des legendären Betriebshaltes die Auswirkungen dieser Zeit-Anomalien spüren, wie muss es dann dem armen Passagier erst ergehen? Denkt beim nächsten Betriebshalt daran....

P.S. vom 13.12.: Die Krise ist nicht überwunden, heute morgen gab es einen UNPLANMÄSSIGEN Betriebshalt der Berliner Strassenbahnlinie M4 zum Alexanderplatz (gut, sie hat halt sehr lange gehalten an der Kreuzung und die nachfolgenden Bahnen stauten sich schon). Das erste Mal, seit ich in Berlin bin. Das kann kein Zufall sein... *Akte X-Melodie pfeif*